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Réflexions
sur les hommes nègres, 1788
Die Art der Negermenschen hat mich wegen ihres beklagenswerten Schicksals
immer schon interessiert. Kaum begann mein Wissen sich zu entwickeln in
einem Alter, in dem Kinder nicht nachdenken, als der Anblick einer Negerin,
die ich das erste Mal in meinem Leben sah, mich dazu brachte, mir Gedanken
zu machen und Fragen über ihre Farbe zu stellen.
Diejenigen, die ich dann befragen konnte, stellen weder meine Neugierde
noch meine Gedankengänge zufrieden. Sie behandelten diese Menschen
wie Tiere, wie Wesen, die der Himmel verflucht hat; aber mit fortschreitendem
Alter erkannte ich deutlich, dass es die Gewalt und das Vorurteil waren,
die die zu diesen schrecklichen Sklaverei verurteilt hatten, dass die Natur
daran keinen Anteil hatte und dass das ungerechte und machtvolle Interesse
der Weißen alles hervorgebracht hatte.
Lange Zeit durchdrungen von dieser Wahrheit und ihrer schrecklichen Situation
behandelte ich ihre Geschichte in einem ersten dramatischen Stoff, der meiner
Fantasie entsprungen ist. Mehrere Menschen sind mit ihrem Schicksal befasst;
sie haben gearbeitet um es zu erleichtern; aber keiner hat daran gedacht,
sie in Kostüm und Farbe auf die Bühne zu bringen, so wie ich es
versucht hätte, wenn die Comédie Française sich dem nicht
widersetzt hätte. Mirza hat ihre natürliche Sprechweise behalten
und nichts war zarter. Es scheint mir, dass sie das Interesse am Schauspiel
noch vergrößert hat, und das war - der Meinung aller Fachkundigen
nach - gut, ausgenommen die der Komödianten. Beschäftigen wir
uns also nicht länger mit der Art, wie mein Stück aufgenommen
worden ist. Ich präsentiere es der Öffentlichkeit.
Kommen wir zum schrecklichen Schicksal der Neger zurück: Wann wird
man sich damit beschäftigen, es zu ändern oder zumindest zu erleichtern?
Ich verstehe nichts von der Politik der Regierungen; aber sie sind gerecht
und niemals machte sich das Naturgesetz besser bemerkbar. Sie haben ein
offenes Ohr für jeden geringsten Missbrauch. Der Mensch ist überall
gleich. Die gerechten Könige wollen keine Sklaven; sie wissen, dass
sie ergebene Untertanen haben und Frankreich wird die Unglücklichen
nicht im Stich lassen, die tausend Tode sterben, seit Eigennutz und Ehrgeiz
sich auf den unbekanntesten Inseln angesiedelt haben. Die Europäer,
gierig nach Blut und nach diesem Metall, das die Habsucht Gold genannt hat,
haben die Natur in diesen glücklichen Gegenden sich verändern
lassen. Der Vater hat sein Kind verleugnet, dar Sohn hat seinen Vater geopfert,
die Brüder haben einander bekämpft und die Besiegten sind wie
Vieh auf dem Markt verkauft worden. Was sage ich? Es ist ein Handel geworden
in den vier Erdteilen.
Ein Menschenhandel! … Großer Gott! Und die Natur erzittert nicht!
Wenn sie Tiere sind, sind wir es dann nicht wie sie? Und worin unterscheiden
sich die Weißen von deren Art? In der Farbe … Warum will die
fade Blonde nicht ein Vorrecht über die Braune haben, die dem Mulatten
gleicht? Dieser Unterschied ist genauso auffallend wie der zwischen Neger
und Mulatten. Die Farbe der Menschen ist schattiert wie bei allen Tieren,
die die Natur hervorgebracht hat, genauso wie bei den Pflanzen und den Steinen.
Warum erhebt der Tag nicht Anspruch auf die Nacht, die Sonne auf den Mond,
die Sterne auf das Firmament? Alles ist verschieden und genau das macht
die Schönheit der Natur aus. Warum also ihr Werk zerstören?
Ist der Mensch nicht ihr schönstes Meisterwerk? Der Osmane macht wohl
mit den Weißen, was wir mit den Negern machen: Wir behandeln ihn jedoch
nicht als Barbaren und Unmenschen und wir üben die gleiche Grausamkeit
wie er auf die Menschen aus, die keine andere Gegenwehr bieten als ihre
Unterwerfung.
Aber wenn diese Unterwerfung eines Tages erschöpft ist, was bringt
der barbarische Despotismus der Siedler auf den Inseln und in Indien dann
hervor? Revolten aller Art, Blutbäder, die durch die Gewalt der Truppen
nur noch verschlimmert werden, Vergiftungen und alles, was der Mensch tun
kann, wenn er einmal aufständisch ist. Ist es den Europäern, die
sich mit ihrem handwerklichen Geschick beachtliche Siedlungen geschaffen
haben, nicht grässlich von morgens bis abends diese Unglücklichen
schlagen zu lassen, die ihre fruchtbaren Felder auch bestellen würden,
wenn sie mehr Freiheit und Milde erführen. Ist ihr Schicksal nicht
grausam, ihre Arbeit nicht beschwerlich genug, ohne dass man ihnen für
den kleinsten Fehler die fürchterlichsten Bestrafungen auferlegt. Man
spricht davon, ihr Schicksal zu ändern, Wege vorzuschlagen, es zu erleichtern,
ohne befürchten zu müssen, dass diese Art von Menschen einen schlechten
Gebrauch von völliger oder untergeordneter Freiheit machen würde.
[...]
© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2008
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