Olympe de Gouges (1748 - 1793)
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Projet d'un second théâtre français, 1789



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Ich setze also voraus, dass die Frauen, die Theaterstücke geschrieben haben, und all diejenigen, die es wie ich machen, ein sehr abwechslungsreiches Repertoire hervorbringen könnten. Was die Schauspieler und Schauspielerinnen betrifft, ist hier das Gesetz, das ich ihnen auferlege, und das Gute, das daraus entstehen wird.
Es würden an dieser Bühne nur junge wohl erzogene Fräuleins zugelassen werden, genauso wie junge Burschen, deren höchste Entlohnung tausend Ecus nicht übersteigen wird. Nach Ablauf von zehn Jahren würden sie keine Pension haben, aber ein anständiges Altersruhegeld. Vierzig tausend Livres würden ihnen zugezählt werden, um sich nach ihren Vorlieben niederzulassen, aber immer würde diese Summe für einen guten Nutzen bestimmt sein: Die jungen Burschen, um sich die Zulassung für eine Stelle zu kaufen; die jungen Mädchen, um sich niederzulassen, damit sie rechtschaffene Bürgerinnen werden und zu allen Gesellschaften zugelassen werden. Um die Ordnung und den Anstand zu wahren, würde die Aufnahme ans Theater für die Öffentlichkeit gesperrt sein; der Aufenthaltsraum für die Frauen wäre getrennt von dem für die Männer; und die Frauen, die ihrem Ruf Schaden zufügten, würden aus dieser Gesellschaft fortgeschickt werden. Die Überwachung würde mit höchster Strenge durchgeführt werden. Und welcher Bankier, Anwalt, Notar würde erröten, sich mit einer Frau zu verbinden, die zugleich liebenswert, tugendhaft und gebildet ist?
Nach Ablauf von zehn Jahren dieser Einrichtung soll, um diesem Unterfangen eine größere Beständigkeit zu verleihen, der Überschuss über Kosten und Löhne ermöglichen, zwei dramatische Schulen zu errichten. Man soll an diesen Schulen alle Künste vereinen wie Musik, Malerei, Architektur, künstlerisches Handwerk, Philosophie, alles, was die jungen Leute in die Lage versetzen könnte, eine ihren Vorlieben entsprechende Situation zu wählen. Man würde Kinder von über fünf Jahren nehmen: Die Anzahl würde niemals zwölf von jedem Geschlecht übersteigen. Wenn sie das Alter von fünfzehn Jahren erreicht hätten, wären sie frei, sich für das Theater oder jede andere Kunst zu entscheiden. Es würde öffentliche Wettbewerbe geben. Dieses edle Vorwärtsstreben würde den Staat nichts kosten und die Öffentlichkeit würde in ihren Vergnügungen eine doppelte Befriedigung finden: Indem sie sich vergnügten, würden sie zu jeder Zeit das Wohl und den Nutzen der Gesellschaft unterstützen.
Um diesen Plan zum Erfolg zu führen, muss man davon ausgehen, dass diese Bühne eine Fortsetzung findet; dass die Frauen ausreichendes Talent haben, um eine Grundlage an Stücken zu schaffen, um das Publikum immer von neuem mitzureißen. Ich kann mich nicht für mein ganzes Geschlecht verbürgen, aber wenn ich es nach mir selbst beurteilen soll, kann ich dreißig Stücke zum Einstudieren vorlegen. Darf ich sagen, dass es keinem davon an dramatischem Talent mangelt? Das ist eine Tatsache, die noch niemand bestritten hat, nicht einmal meine schärfsten Kritiker oder meine größten Feinde. Warum also sollte diese Einrichtung nicht genehmigt werden? Hätte ich, weil ich eine Frau bin, nicht das Recht, wie Molière zu beginnen mit nur meinen eigenen Stücken? Ist es nicht meine Habe? Ist es nicht mein Eigentum? Warum sollte der Staat sich mir widersetzen, die ich nur sein Wohl wünsche, die ich kein anderes Vermögen habe als mein schwaches Talent und die keine weitere Belohnung verlangt. Wenn wegen dieser noblen Uneigennützigkeit die Regierung ein wohlwollendes Auge auf dieses tugendhafte Projekt würfe, bliebe mir nichts zu wünschen, als seine Umsetzung zu sehen.
Ich würde keinen Theatersaal bauen lassen wollen, es finden sich fertige, wenn man die Oper oder die neue Bühne, die soeben errichtet worden ist, umgestalten würde. Die Tuilerien wären der passendste Ort für diese Schule der Sitten. Die finanziellen Mittel, die es braucht, um das meine zu gründen, wären nicht beträchtlich; außerdem würde ich mit einem solchen Projekt selbst leicht welche finden. Wie viele vermögende und tugendhafte Frauen würden an dieser Einrichtung mitwirken! Wie viele rechtschaffene Bankiers würden es mit ihrem Kredit unterstützen!
Ich zeige ausreichend deutlich, dass das Vorurteil in sich selbst zusammenfallen würde; dass allein die Ehre die Seelen der Autoren und Autorinnen erheben würde; dass die Furcht, schändlich verjagt zu werden, sie immer in den wahren Grundsätze aufrecht erhalten würde; dass der Lohn zugleich edel und einträglich wäre und dass die Menschen sich fast immer vom Interesse leiten lassen, besonders wenn es mit Ruhm verknüpft ist: Ich traue mich das Risiko einzugehen, das wenige sich als straffällig erweisen würden. Überdies würde es einen bestimmten Nachweis der Eltern und eine Bescheinigung der Familie erfordern, um zu dieser Bühne zugelassen zu werden. Ah! Wer sind die rechtschaffenen und mittellosen Eltern, die nicht Plätze in dieser Einrichtung für ihre Kinder erbitten würden! Ach! Zweifellos würde man mehr zurückweisen, als man annehmen könnte.

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© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2008
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