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Projet
d'un second théâtre français, 1789
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Ich setze also voraus, dass die Frauen, die Theaterstücke geschrieben
haben, und all diejenigen, die es wie ich machen, ein sehr abwechslungsreiches
Repertoire hervorbringen könnten. Was die Schauspieler und Schauspielerinnen
betrifft, ist hier das Gesetz, das ich ihnen auferlege, und das Gute, das
daraus entstehen wird.
Es würden an dieser Bühne nur junge wohl erzogene Fräuleins
zugelassen werden, genauso wie junge Burschen, deren höchste Entlohnung
tausend Ecus nicht übersteigen wird. Nach Ablauf von zehn Jahren würden
sie keine Pension haben, aber ein anständiges Altersruhegeld. Vierzig
tausend Livres würden ihnen zugezählt werden, um sich nach ihren
Vorlieben niederzulassen, aber immer würde diese Summe für einen
guten Nutzen bestimmt sein: Die jungen Burschen, um sich die Zulassung für
eine Stelle zu kaufen; die jungen Mädchen, um sich niederzulassen,
damit sie rechtschaffene Bürgerinnen werden und zu allen Gesellschaften
zugelassen werden. Um die Ordnung und den Anstand zu wahren, würde
die Aufnahme ans Theater für die Öffentlichkeit gesperrt sein;
der Aufenthaltsraum für die Frauen wäre getrennt von dem für
die Männer; und die Frauen, die ihrem Ruf Schaden zufügten, würden
aus dieser Gesellschaft fortgeschickt werden. Die Überwachung würde
mit höchster Strenge durchgeführt werden. Und welcher Bankier,
Anwalt, Notar würde erröten, sich mit einer Frau zu verbinden,
die zugleich liebenswert, tugendhaft und gebildet ist?
Nach Ablauf von zehn Jahren dieser Einrichtung soll, um diesem Unterfangen
eine größere Beständigkeit zu verleihen, der Überschuss
über Kosten und Löhne ermöglichen, zwei dramatische Schulen
zu errichten. Man soll an diesen Schulen alle Künste vereinen wie Musik,
Malerei, Architektur, künstlerisches Handwerk, Philosophie, alles,
was die jungen Leute in die Lage versetzen könnte, eine ihren Vorlieben
entsprechende Situation zu wählen. Man würde Kinder von über
fünf Jahren nehmen: Die Anzahl würde niemals zwölf von jedem
Geschlecht übersteigen. Wenn sie das Alter von fünfzehn Jahren
erreicht hätten, wären sie frei, sich für das Theater oder
jede andere Kunst zu entscheiden. Es würde öffentliche Wettbewerbe
geben. Dieses edle Vorwärtsstreben würde den Staat nichts kosten
und die Öffentlichkeit würde in ihren Vergnügungen eine doppelte
Befriedigung finden: Indem sie sich vergnügten, würden sie zu
jeder Zeit das Wohl und den Nutzen der Gesellschaft unterstützen.
Um diesen Plan zum Erfolg zu führen, muss man davon ausgehen, dass
diese Bühne eine Fortsetzung findet; dass die Frauen ausreichendes
Talent haben, um eine Grundlage an Stücken zu schaffen, um das Publikum
immer von neuem mitzureißen. Ich kann mich nicht für mein ganzes
Geschlecht verbürgen, aber wenn ich es nach mir selbst beurteilen soll,
kann ich dreißig Stücke zum Einstudieren vorlegen. Darf ich sagen,
dass es keinem davon an dramatischem Talent mangelt? Das ist eine Tatsache,
die noch niemand bestritten hat, nicht einmal meine schärfsten Kritiker
oder meine größten Feinde. Warum also sollte diese Einrichtung
nicht genehmigt werden? Hätte ich, weil ich eine Frau bin, nicht das
Recht, wie Molière zu beginnen mit nur meinen eigenen Stücken?
Ist es nicht meine Habe? Ist es nicht mein Eigentum? Warum sollte der Staat
sich mir widersetzen, die ich nur sein Wohl wünsche, die ich kein anderes
Vermögen habe als mein schwaches Talent und die keine weitere Belohnung
verlangt. Wenn wegen dieser noblen Uneigennützigkeit die Regierung
ein wohlwollendes Auge auf dieses tugendhafte Projekt würfe, bliebe
mir nichts zu wünschen, als seine Umsetzung zu sehen.
Ich würde keinen Theatersaal bauen lassen wollen, es finden sich fertige,
wenn man die Oper oder die neue Bühne, die soeben errichtet worden
ist, umgestalten würde. Die Tuilerien wären der passendste Ort
für diese Schule der Sitten. Die finanziellen Mittel, die es braucht,
um das meine zu gründen, wären nicht beträchtlich; außerdem
würde ich mit einem solchen Projekt selbst leicht welche finden. Wie
viele vermögende und tugendhafte Frauen würden an dieser Einrichtung
mitwirken! Wie viele rechtschaffene Bankiers würden es mit ihrem Kredit
unterstützen!
Ich zeige ausreichend deutlich, dass das Vorurteil in sich selbst zusammenfallen
würde; dass allein die Ehre die Seelen der Autoren und Autorinnen erheben
würde; dass die Furcht, schändlich verjagt zu werden, sie immer
in den wahren Grundsätze aufrecht erhalten würde; dass der Lohn
zugleich edel und einträglich wäre und dass die Menschen sich
fast immer vom Interesse leiten lassen, besonders wenn es mit Ruhm verknüpft
ist: Ich traue mich das Risiko einzugehen, das wenige sich als straffällig
erweisen würden. Überdies würde es einen bestimmten Nachweis
der Eltern und eine Bescheinigung der Familie erfordern, um zu dieser Bühne
zugelassen zu werden. Ah! Wer sind die rechtschaffenen und mittellosen Eltern,
die nicht Plätze in dieser Einrichtung für ihre Kinder erbitten
würden! Ach! Zweifellos würde man mehr zurückweisen, als
man annehmen könnte.
[...]
© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2008
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