Olympe de Gouges (1748 - 1793)
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Préface pour les dames, 1789



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O Frauen, Frauen welcher Art, welchen Standes, welchen Ranges ihr auch seid, werdet die eine der anderen gegenüber einfacher, bescheidener und gutherziger! Ich kann euch schon sehen, alle um mich versammelt wie eine Menge Furien, die meine unglückliche Existenz verfolgen und mich den Wagemut sehr teuer bezahlen lassen, euch meine Meinungen zu übermitteln. Aber ich bin [auch] davon betroffen, und glaubt mir, dass ich meinen Teil übernehme, wenn ich euch Ratschläge erteile, die auch für mich zweifellos notwendig sind. Ich beobachte mich nicht selbst, um meine Erfahrung dann am Menschengeschlecht anzuwenden und mich allein davon auszunehmen. Unvollkommener als sonst jemand, weiß ich um meine Fehler, ich liefere ihnen einen offenen Krieg. Und in meinem Bemühen, sie loszuwerden, liefere ich sie der öffentlichen Kritik aus. Ich habe keine Laster zu verbergen, sondern nur Fehler herzuzeigen. Na! Wer ist es, der oder die mir die Nachsicht verweigern können wird, die solcherlei Geständnisse verdienen?
Nicht alle Menschen nehmen dasselbe wahr. Die einen heißen gut, was die anderen bemängeln. Aber im Allgemeinen gewinnt die Wahrheit die Oberhand, und der Mensch, der sich zeigt, wie er ist, wenn er nichts Groben und nichts Lasterhaftes hat, wird immer in einem günstigen Licht gesehen. Eines Tages werde ich vielleicht ohne Zutun meinerseits mit einer Wertschätzung angesehen werden, die man den Werken beimisst, die aus den Händen der Natur hervorgehen. Ich kann mich eine ihrer seltenen Hervorbringungen nennen. Alles ist von ihr zu mir gekommen, ich habe keinen anderen Lehrer gehab. Und all meine philosophischen Überlegungen können die zu sehr verwurzelte Unvollkommenheit ihrer Erziehung nicht zerstören. Man hat mir auch oft den Vorwurf gemacht, dass ich mich in der Gesellschaft nicht anzupassen weiß, dass die Wildheit meines Charakters mich schlecht erscheinen lässt, dass ich jedoch eine jener anbetungswürdigen Frauen sein könnte, wenn ich mich weniger gehen ließe.
Ich habe auf solches Gerede oft geantwortet, dass ich mich weder nicht anpasse noch mich gehen ließe und dass ich nur eine Art des Zwanges kenne, und zwar die Schwächen der Natur, die die Menschlichkeit nur mit Mühe besiegen kann, und diejenige, in der die Selbstachtung die Leidenschaften bezwingt, kann sich zu Recht eine starke Frau nennen.




© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2009
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