|
Les trois urnes, 1793
[...]
O Tyrannen der Erde, fürchtet euch, ich bin nicht
auf eurer Seite! Wenn das Schicksal eines entzweiten Volkes das ist, schließlich
die Notwendigkeit zu erkennen, sich endgültig über die Haltung
einer Regierung zu entscheiden, die unwiderruflich alle Meinungen unterwerfen
muss, will ich zumindest, dass die Franzosen die Herren ihrer Wahl sind
und sich die Regierung geben, die ihnen als diejenige erscheint, die am
besten zu ihrem Charakter, ihren Sitten und ihrem Klima passt, damit ihre
Revolution den Tyrannen und nicht den Völkern für immer eine
Lehre ist.
Die Franzosen können nicht mehr zurückweichen. Der Tag, sich
zu erklären, ist gekommen, der Tag, eine unverdorbene und durch die
Strenge der Gesetze starke Regierung einzusetzen. Der Tag ist gekommen,
den Morden und Hinrichtungen ein Ende zu setzen, die alleine aus dem Gegensatz
der Meinungen resultieren. Alle sollen in die Tiefe ihres Gewissens blicken,
sie sollen das unberechenbare Übel einer lang dauernden Spaltung
erkennen (die völlige Vernichtung des Vaterlandes) und jeder soll
frei über die Regierungsform entscheiden, die er anzunehmen beabsichtigt.
Die Mehrheit soll gewinnen. Es ist Zeit, dass der Tod eine Erholungspause
nimmt und dass die Anarchie zurück zur Hölle geht.
Mehrere Departements bewegen sich und neigen zum Föderalismus. Die
Royalisten sind innen und außen mächtig. Die konstitutionelle
Regierung, eins und unteilbar, ist in der Minderheit, aber mutig. Überall
fließt Blut. Dieser Kampf ist entsetzlich, schrecklich in meinen
Augen! Es ist Zeit, dass das Kämpfen aufhört.
Ich möchte, dass der Konvent die Geisteshaltung des Erlasses ausdrückt,
die ich dir diktieren werde. Der Konvent, vom heftigsten Schmerz getroffen,
Frankreich über die Ansichten und Grundsätze der Regierungsform
entzweit zu sehen, die das Vaterland retten soll, schlägt zuerst
im Namen der Menschlichkeit einen Waffenruhe der Rebellen und ebenso der
Ausländer für einen vollen Monat lang vor, um der ganzen Nation
Zeit zu geben, über die Gestalt der drei Regierungsformen zu entscheiden,
die sie entzweien. Es soll allen Departements vorgeschrieben werden, die
Einberufung der Primärversammlungen vorzunehmen. Drei Urnen sollen
auf den Tisch des Präsidenten der Versammlung gestellt werden, von
denen jede eine dieser Aufschriften trägt: Republikanische Regierung,
eins und unteilbar; Föderative Regierung; Monarchische Regierung.
Der Präsident soll im Namen des gefährdeten Vaterlandes die
freie und individuelle Wahl einer der drei Regierungsformen erklären.
Jeder Stimmberechtigte soll drei Scheine in seine Hand bekommen, auf einen
der drei soll seine Wahl geschrieben werden. Er wird sich weder in der
Urne noch im Schein, den seine Rechtschaffenheit ihm vorgeschrieben haben
wird, irren können. Er wird in jede Urne ihren Schein werfen. Die
Regierungsform, die die Mehrheit der Stimmen erhalten wird, wird mit einem
feierlichen und allseitigen Eid, sie zu respektieren, eingeleitet werden,
und dieser Schwur auf die Urne soll von jedem Bürger einzeln wiederholt
werden. Ein Bürgerfest soll diese Feierlichkeit begleiten und dieser
so menschliche wie ausschlaggebende Weg wird die Leidenschaften beruhigen,
die Parteien zerstören … Die Rebellen werden sich zerstreuen,
die feindlichen Kräfte werden den Frieden verlangen und die Welt,
von der Bewunderung umso überraschter als sie lange Zeit auf die
Zwistigkeiten Frankreichs aufmerksam gewesen ist, wird ausrufen: «Die
Franzosen sind unbesiegbar!»
[...]
© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2008
Impressum
|