Olympe de Gouges (1748 - 1793)
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Avis pressant ou réponse à mes calomniateurs, 1789



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Nichts ist einfacher, als die Köpfe zu erhitzen, und wenn der Aufruhr weit fortgeschritten ist, ist nichts schwieriger, als seine Wirkungen aufzuhalten.
Ein Text, der nur Patriotismus ausstrahlt, wird in unseren Tagen wenig geschätzt. Man hängt sich nur an die bösartigen Schriften, an diese feurigen Federn, die zugleich die Herzen und die Geister der Bürger in Brand setzen. Haben all diese hetzerischen Schriften etwas Nützliches hervorgebracht? Das Verderben des Staates, des Volkes und der Großen. Man hat sie gelesen, diese aufrührerischen Schriften, und sie haben die Öffentlichkeit in die Irre geführt.
Ja, ich bescheinige, dass die Literaten für den Staat unheilbringend sind. Gelegentlich verursachen sie seinen Umsturz, genauso wie sie zu seiner Blüte beitragen könnten, wenn die Liebe zum Guten immer ihre Federn führte.
Wenn man einen Menschen nach seinen Schriften und nach seinen Handlungen beurteilte, würden zweifellos meine Grundsätze - und ich wage zu sagen: meine gute Moral - all den wahren Franzosen nicht entgehen.
Das sind, wie es mir scheint, die Wahrheiten, die die Weisen bestätigen und die die Dummen nicht versäumen, auf ihre Art zu verändern.
Ich kann mich nicht mit diesem unnützen Geschrei aufhalten. Ich bin mit meinen Forderungen zu weit gegangen, um mich nicht in aller Öffentlichkeit zu zeigen. Ich muss mich rechtfertigen und es ist die gesamte Öffentlichkeit, die ich in den Zeugenstand rufe. Die öffentliche Stimme ist manchmal leichtfertig, aber im Allgemeinen ist sie gerecht. Sie ist es, die mich ermutigt, ihre Stimme siegt über die Verleumdung.
Um die öffentliche Stimme, die meine patriotischen Schriften mir eingetragen hat, ins Schwanken zu bringen, verbreiten unbesonnene Menschen überall, dass ich Liebhaber gehabt habe. Gewiss, diese Bemerkung ist neu und ganz besonders wesentlich.
Muss man mich auch noch zwingen hinzuzufügen, dass ich mit sechzehn Jahren Witwe und meine [eigene] Lehrmeisterin geworden bin, dass ich es schwieriger hatte als jede andere. Aber zwischen den Klippen, die mich umgaben, eröffnete sich meinen Augen ein ehrenwerter Lebensweg. Ich habe mich mit Mut darauf gestürzt, ich bin lange über Dornen gegangen, und im Moment des Pflückens einer Rose auf meine schwachen Schriften hin, wollen liebenswerte Franzosen – oder, um die Wahrheit zu sagen, was es an Lächerlichstem von diesem Charakter gibt –, dass ich wieder jung sei, mich mit meinen Reizen beschäftige, nur daran denke zu gefallen und völlig von der Literatur absehe. Die Überspanntesten versichern, dass meine Werke nicht von mir sind und dass ich den dummen Stolz besitze, mich mit fremden Federn zu schmücken, dass es in meinen Schriften zuviel Kraft und Gesetzeskenntnis gibt, als dass sie die Arbeit einer Frau sein könnten.
Erbärmliche und lächerliche Verleumder, man hat euch das Lesen gelehrt. Gewiss haben Sie aus der schönen Gnade, die man Ihnen gewährt hat, einen besonders großen Nutzen gehabt, Sie haben großes Wissen daraus gezogen, das sie abhält zu erkennen, dass man in jeder Zeile meiner Schriften das Gepräge von Unwissenheit findet. Aber diese Unwissenheit ist nicht unvereinbar mit einer natürlichen Geistesgabe. Und was bringt Bildung ohne Geistesgabe hervor? Unerträgliche Dummköpfe, Papageien des Hofes, die sich äußern und beurteilen ohne etwas zu wissen oder zu ergründen.
Alleine mit der Geistesgabe habe ich große Entdeckungen machen und gute Mittel vorschlagen können. Man wird sie abändern können, aber man wird ihnen folgen, hoffe ich.

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© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2009
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